Vier weitere Randnotizen

Regenschwer beugen sich die Blütenzweige des Weissdorns. – Es gibt einen Impftermin und allerlei Übergangserscheinungen. Also vier weitere Randnotizen.

VIII. Schon ist die Tür geschlossen

Der Frosch, wenn er still sitzt, ist ganz Schauen, ganz hockende Masse, ein amphibischer Buddha. Wird er erschrocken, ist er ganz Muskel, ganz Sprung, ganz Aufplatschen und Eintauchen. Ein Mensch könnte nie so ins Wasser springen wie ein Frosch, ohne sich in den Augen der anderen als lächerlicher Froschspringer zu sehen. …

VI. Irgendwie schon wieder normal

Manche sind Pendler*innen, ein paar zu den Eltern gezogen, jemand hat mal kurz die Wohngemeinschaft gewechselt und einer hat überhaupt erst im Team begonnen, als wir schon im Lockdown waren. Das sei für ihn schon gewöhnungsbedürftig, dass er seine Kolleg*innen nur virtuell, digital, also irgendwie flimmernd kennenlerne …

V. Spatzenlärm

Zwischen Koppel, Wiese und Acker zieht sich, eine kleine Biegung um einen dicht belaubten Lindenbaum nehmend, ein kiesiger zweispuriger Landwirtschaftsweg den Hügel hinauf, stösst dort auf eine weitere, aber etwas weniger breit ausladende Linde. Links des Baumes fällt das Gelände einige Meter steil ab, rechts hebt sich im sanften Schwung eine Wiese, hinter welcher sich nur der gerade grau bewölkte Himmel erstreckt …

IV. Lockerungsübung

Am Freitag war es so weit. Am Freitag im Homeoffice riefen all jene an, die nun bald wieder arbeiten gehen wollen. Termine für die Kinder, Termine für einen selbst. Sogar die Krankenkasse rief an und fragte, wie es mir gehe in dieser Zeit. Gut, sagte ich, mir gehe es gut. Ob sie aus dem Homeoffice anrufe? Wie es ihr gehe?

III. Ferien im und vom Ausnahmezustand

Der weisse Esstisch, der aufgrund eines veränderten Beziehungsstatus den Weg aus dem Esszimmer in den Entsorgungshof finden sollte, dann aber auf dem Kiesplatz vor der Waschküche eine geduldete Existenz fristete, steht nun im rechten Winkel zur Hauswand und ermöglicht so dem dort Schreibenden den freien Blick in die Landschaft. Jedenfalls seit die Blautanne gefällt ist. Jetzt sitze ich hier mit einem Kaffeekrug, einem Schälchen Mocca-Glace und dem Computer …

I. Krisenzeit – Novellenzeit

Womit beginnt ein Literaturwissenschaftler einen Text in Zeiten der Covid 19-Pandemie? Am besten so, wie jeder dieser Texte beginnen sollte: mit dem Bekenntnis, tief von der solidarischen Vernunft der Mehrheit berührt zu sein, und nicht zuletzt mit der Feststellung, dass alle Mitarbeitenden im eigenen Verantwortungsbereich – der Forschungsstelle Jeremias Gotthelf – und, soviel ich sehe, auch überall sonst an der Universität mit unglaublicher Gelassenheit, Kreativität und Einsatzbereitschaft die neuen Arbeitsformen angenommen haben …