Pandemie

Gedanken in meiner Marsstation

Das bringt es eben mit sich: Social Distancing reduziert den Bewegungsradius und die Zahl zwischenmenschlicher Kontakte. Aus meinem Wohnzimmerfenster blicke ich in die rot-rosa-orangene Kulisse einer untergehenden Sonne. Im späten Herbst verschwindet diese im verkürzten Bogen an einer stärker westlich und nicht so weit nordwestlich gelegenen Stelle hinter dem Horizont, und daher kann ich das Spektakel der Farben einfach vom Fenster aus geniessen…

„Sag mir, wo Du stehst!»

Manchmal sind ja die Ereignisse um einen herum so, dass man verstummen möchte. Oder gar nicht einmal die Ereignisse, sondern der Lärm, der um sie veranstaltet wird. Die Herausforderung ist auch bedeutend, wenn einen nicht das muntere Gezwitscher der Spatzen für Momente in die unmittelbare Erfahrung der Soundscape des Gartens zieht, sondern den unruhigen Geist an Regentagen die zu viel rezipierten Kommentargefechte unter Onlineartikeln der Zeitungen beschäftigen. Was macht das eigentlich mit mir?

VII. Ein stilles Buch

Als Erstes verschwindet die Stille, so denkt man. Noch bevor sich das Leben wieder in eine fallengelassene Zeitnaht einfädelt und einem fremd gewordenen Stich folgen möchte, öffnen und schliessen sich die Reissverschlüsse des Strassenverkehrs, der wieder an Ampeln stockt, an Kreiseln kreist, an Fussgängerüberwegen erbost und eher nicht die Fahrt verlangsamt, um bitte noch vor dem dort stehenden Radfahrer mit seinem angeleinten Hund irgendwohin durchzukommen …

VI. Irgendwie schon wieder normal

Manche sind Pendler*innen, ein paar zu den Eltern gezogen, jemand hat mal kurz die Wohngemeinschaft gewechselt und einer hat überhaupt erst im Team begonnen, als wir schon im Lockdown waren. Das sei für ihn schon gewöhnungsbedürftig, dass er seine Kolleg*innen nur virtuell, digital, also irgendwie flimmernd kennenlerne …

I. Krisenzeit – Novellenzeit

Womit beginnt ein Literaturwissenschaftler einen Text in Zeiten der Covid 19-Pandemie? Am besten so, wie jeder dieser Texte beginnen sollte: mit dem Bekenntnis, tief von der solidarischen Vernunft der Mehrheit berührt zu sein, und nicht zuletzt mit der Feststellung, dass alle Mitarbeitenden im eigenen Verantwortungsbereich – der Forschungsstelle Jeremias Gotthelf – und, soviel ich sehe, auch überall sonst an der Universität mit unglaublicher Gelassenheit, Kreativität und Einsatzbereitschaft die neuen Arbeitsformen angenommen haben …