Sechs Randnotizen

Sechs kleinere Beobachtungen und Gedanken zwischendurch.

Er war ein Poet

Vor dreissig Jahren, am 18. April 1991 starb der spanische Dichter Gabriel Celaya – kein Anlass nur für laudative Floskeln.

El Huerto

«Alte Männer, die mit dreckigen Händen in ihrem Garten wühlen», sagte sie, das wäre nicht so ihr Fall. Sie freute sich über den kleinen beiläufigen Stich, obwohl es eigentlich um das Buch ging, das ich erwähnt hatte. Ich wartete auf «Capricho – Ein Sommer in meinem Garten», Beat Sterchis neuestes Buch, welches nun wieder bei Diogenes erschienen ist. Ich bekam es rechtzeitig für die Ostertage.

Chinoiserie 2021

Ein lichtflirrender Garten, ein Pavillon aus Porzellan, eine Jadebrücke geschwungen wie ein Tigerrücken und ein fröhlich trinkender und dichtender Freundeskreis: So stellte sich das frühe 20. Jahrhundert die Welt des chinesischen Dichters Li Bai im 8. Jahrhundert vor.

Der König der Spatzen

Manchmal fällt einem eben etwas ein – schon weil die Spatzen zwitschern. Dann rankt die Phantasie darum eine Geschichte, ein Bild, eine Szene. Man schreibt es also auf und beginnt die Arbeit des Feilens: «An einer kleinen Nebenstrasse am Rand meiner Stadt da steht ein Haus . ‹…›»

Nur für das Protokoll

Man lässt also den Blick schweifen, und mein Blick schweift dabei vom Schreib-, Ess- und Konferenztisch im Home Office durch das Fenster zum Vogelhaus. – Ja, da gibt es eigentlich nicht viel Neues.

Nicht wirklich über den Erlenzeisig

Die Steuererklärung: Denn die kommt nun auch gerade ins Haus als eine erste Erinnerung an die staatsbürgerliche Pflicht. Das ist auch keine grosse Sache. Ich zahle gerne Steuern, also jedenfalls grundsätzlich.
Mit der Steuererkärung kommt die behördliche Demütigung.

Schneetage

Erst zuhause schwirrt der Kopf wieder von den Bildern der letzten Wochen. Kann man das vergessen, wie ein gehörnter junger weisser Mann schamanisch brüllend auf der Gallerie des Parlamentssaals im Capitol steht? Alsob 10’000 Jahre Zivilisationsgeschichte am Menschen spurlos vorübergegangen sind?

Rückblickend

Man kann es sich wohl nicht als Verdienst zuschreiben, verschont worden zu sein. Allenfalls wäre jetzt am Jahresende der Zeitpunkt, sich auf die Schultern zu klopfen, wenn man die Ruhe bewahrt hat, nicht ins haltlose Tagesgeschrei eingestimmt hat, getan hat, was notwendig war. Oder wenn man jedenfalls rasch wieder die Fassung gewonnen hat.

Dezembermoment

Was machen wir aber mit dem Tod? Wenn er fünftausendfach auftritt? Und schon wieder weit mehr als fünftausendfach in diesem Land in diesem Coronajahr in vielen Familien?