Gedanken in meiner Marsstation

Das bringt es eben mit sich: Social Distancing reduziert den Bewegungsradius und die Zahl zwischenmenschlicher Kontakte. Aus meinem Wohnzimmerfenster blicke ich in die rot-rosa-orangene Kulisse einer untergehenden Sonne. Im späten Herbst verschwindet diese im verkürzten Bogen an einer stärker westlich und nicht so weit nordwestlich gelegenen Stelle hinter dem Horizont, und daher kann ich das Spektakel der Farben einfach vom Fenster aus geniessen…

„Sag mir, wo Du stehst!»

Manchmal sind ja die Ereignisse um einen herum so, dass man verstummen möchte. Oder gar nicht einmal die Ereignisse, sondern der Lärm, der um sie veranstaltet wird. Die Herausforderung ist auch bedeutend, wenn einen nicht das muntere Gezwitscher der Spatzen für Momente in die unmittelbare Erfahrung der Soundscape des Gartens zieht, sondern den unruhigen Geist an Regentagen die zu viel rezipierten Kommentargefechte unter Onlineartikeln der Zeitungen beschäftigen. Was macht das eigentlich mit mir?

Vielleicht mochte der Buddha keine Krähen

Im Berner Online-»Bund« erschien neulich kurz vor Mitternacht ein Kommentar von Martin Ebel, in welchem er davor warnt, allen Geistesgrössen ihre unbedachten und nebensächlichen Zitate vorzuhalten und damit das Kind (namens Hegel, Kant, Voltaire etc.) mit dem Bad auszuschütten… Zeit für ein Wort zum Heldensturz.

An Grenzen stossen: von ‘Ulidigen’ und Narzissten

Da sitzt man zwangsläufig mit einem heilenden Knie zuhause, und die Welt dringt als Spatzenlärm und Maskenkoller hinein … Also muss auch einmal etwas zur Maske gesagt werden.

Im Spital oder Ökologie des Ich-Gefühls

Im Spital macht man sich Gedanken. Was soll man auch sonst tun. Spitalgedanken eben.

Zwei Wochen in Ostholstein – ein Jahr im Sand County

Meine Ferienlektüre ist ein Klassiker der ökologischen Literatur: A Sand County Almanach von Aldo Leopold, zuerst 1949 nach dem Tod des Verfassers erschienen: eine Empfehlung von Jessie J., die die Aufforderung annahm, auf Facebook zehn ihrer Lieblingsbücher zu posten. Der mir gänzlich unbekannte Aldo Leopold neben Horkheimer, Arendt und Sartre.

Als die Nachnamen aller Poet*innen mit K begannen

Die besondere Häufung der Lyriker*innen mit dem Namen K fällt mir eher zufällig an meinem Bücherregal auf. Ausgelöst wird die Beobachtung vom Social Media-Post einer grossen deutschsprachigen Tageszeitung mit der kurzen Besprechung des letzten Lyrikbandes von Günter Kunert: «Zu Gast im Labyrinth. Neue Gedichte» (2019).

VIII. Schon ist die Tür geschlossen

Der Frosch, wenn er still sitzt, ist ganz Schauen, ganz hockende Masse, ein amphibischer Buddha. Wird er erschrocken, ist er ganz Muskel, ganz Sprung, ganz Aufplatschen und Eintauchen. Ein Mensch könnte nie so ins Wasser springen wie ein Frosch, ohne sich in den Augen der anderen als lächerlicher Froschspringer zu sehen. …

VII. Ein stilles Buch

Als Erstes verschwindet die Stille, so denkt man. Noch bevor sich das Leben wieder in eine fallengelassene Zeitnaht einfädelt und einem fremd gewordenen Stich folgen möchte, öffnen und schliessen sich die Reissverschlüsse des Strassenverkehrs, der wieder an Ampeln stockt, an Kreiseln kreist, an Fussgängerüberwegen erbost und eher nicht die Fahrt verlangsamt, um bitte noch vor dem dort stehenden Radfahrer mit seinem angeleinten Hund irgendwohin durchzukommen …

VI. Irgendwie schon wieder normal

Manche sind Pendler*innen, ein paar zu den Eltern gezogen, jemand hat mal kurz die Wohngemeinschaft gewechselt und einer hat überhaupt erst im Team begonnen, als wir schon im Lockdown waren. Das sei für ihn schon gewöhnungsbedürftig, dass er seine Kolleg*innen nur virtuell, digital, also irgendwie flimmernd kennenlerne …